„Darf ich vorstellen, mein Fehler von vor 20 Jahren“.

Mit diesem Satz begann eine der Erfolgsverbindungen des aktuellen GT-Sports – Jules Gounon und Callaway Competition. Mit diesen Worten stellte der ehemalige Rennfahrer Jean Marc Gounon seinen Sohn den Callayway Competition Teamchef Ernst Wöhr beim Balance of Performance Test vor. Danach begann eine Erfolgsstory die in diesem Jahr mit dem Titel im ADAC GT Masters in der Corvette und den Sieg bei den 24h Spa im Werks-Audi endete.

Gounon wurde am 31.12.1994 in der französischen Kleinstadt Aubenas geboren. Obwohl sein Vater selbst ein erfolgreicher Rennfahrer war, dauerte es bis er 15 Jahre alt war, dass er in den Motorsport einsteigen durfte, denn sein Vater wollte es nicht. „Ich erinnere mich noch genau: Ich konnte nicht schlafen, der Wecker zeigte 3.27 Uhr, als ich bei meinem Vater am Bett stand und sagte: „Hey, du hast von deinem Vater eine Chance bekommen, Rennen zu fahren. Wieso gibst du mir sie nicht?“ Er hat sich breitschlagen lassen und mich ins Bett geschickt. Da wusste ich, dass ich es endlich geschafft habe“, so Jules Gounon.

Im Kartsport unterzog Jean Marc Gounon seinem Sohn eine harte Schule. Er schickte Jules mit verschiedenen Karts auf die Bahn. Die Karts hatten immer einen anderen Motor und kalte Reifen. Das Ziel davon sollte sein, dass sich sein Sohn möglichst schnell an neue Gegebenheiten anpasst. Die Schule war erfolgreich, denn Gounon gilt mittlerweile als einer der GT-Fahrer die auf jedem Auto schnell sind. Allein im GT3-Sport fuhr er in diesem Jahr in der Corvette C7, dem Audi R8, dem Mercedes AMG GT3, dem Porsche 911 sowie dem Acura NSX. Dazu machte er auf einem Ford Fiesta sein Permit in der VLN und fährt Rennen in einer historischen Corvette. Und überall ist der Youngster schnell.

Nachdem er im Kartsport Erfolge erzielen konnte erfolgte der Wechsel in die französische Formel 4. Auch dort war Gounon erfolgreich. Trotzdem stand seine Karriere danach auf Messers Schneide. Für den Aufstieg in die Formel Renault hatte er nicht das benötigte Budget. Sein Großvater gab ihm danach die letzte Chance, er zahlte für seinen Enkel die Gebühr für die Nachwuchssichtung von Porsche. Mit Erfolg! Gounon wurde Porsche Junior und fuhr im französischen Porsche Carrera Cup. Berühmtheit erreichte er dort durch einen kuriosen Unfall in Navarra:

Doch der Unfall im spanischen Navarra hatte medizinische Auswirkungen für den aufstrebenden Youngster. Er brach sich nämlich einen Wirbel.

Später musste er sich am Bein operieren lassen. Für Gounon bedeutete das 3 1/2 Monate Zwangspause.

Doch dann kam das Jahr 2016. Nachdem sein Vater die oben genannte Worte an Ernst Wöhr richtete und Gounon bei Testfahrten in der Corvette überzeugen konnte, fuhr er an der Seite von Daniel Keilwitz im ADAC GT Masters. Gounon wusste zu überzeugen und überraschte viele Piloten mit seinem Speed und der Rennintelligenz. Bis zum letzten Rennen in Hockenheim kämpfte das Duo um den Titel. Doch dann hatte Gounon erneut einen schweren Unfall.

Zuerst bestand der Verdacht auf einen Beinbruch, doch Gounon zog sich „nur“ schwere Prellungen zu. Dazu stand er unter Schock und hatte Schüttelkrämpfe. „Ich hätte tot sein können“, so Gounon. „Nachdem mir das Team in dieser Zeit so nahestand, wurde die Mannschaft für mich eine Familie. Wie haben uns geschworen, den Titel in diesem Jahr zu holen – was dich nicht umbringt, macht dich härter“

Und dieses Versprechen lösten Jules Gounon und Callaway Competition in diesem Jahr ein. Mit wechselnden Teamkollegen (da Daniel Keilwitz im Sommer schwer verunglückte und mit einem Beinbruch einige Rennen auslassen musste) fuhr Gounon dominant zum Titel. Der junge Franzose bewies, dass er zu einem absoluten GT-Toppiloten reifte.

Dazu gewann er in diesem Jahr die 24h Spa – das weltweit beste GT-Rennen. Gounon war dort als Audi-Werksfahrer mit Christopher Haase und Markus Winkelhock und fuhr zum ersten Mal den R8 GT3 in einem Rennen und fuhr gleich Rundenzeiten wie die beiden langjährigen deutschen Audi-Werksfahrer. Die restliche Saison in der Blancpain GT Series (das Rennen auf dem Nürburgring ließ er für das ADAC GT Masters aus) fuhr er in einem Mercedes AMG GT3 von AKKA ASP. Da er sich den Mercedes mit Amateurfahrern teilte, konnte er nicht wirkliche Topergebnisse einfahren, wusste aber immer wieder mit schnellen Rundenzeiten zu überzeugen. Auch mit dem Porsche 911 beim Saisonauftakt der Blancpain GT Series Asia und dem Acura NSX beim 8h Rennen in Laguna Seca wusste er zu überzeugen. Dass er auch mit historischen Fahrzeugen umgehen kann, beweist Gounon des Öfteren mit einer historischen Corvette. Dazu besitzt er nun auch das Permit für die Nürburgring-Nordschleife, vielleicht sehen wir Ihn im kommenden Jahr auch mit GT3-Fahrzeugen in der VLN und beim 24h Rennen.

 

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